DIE KAROSSERIE
Beschreibung (siehe Bild weiter unten)
Beim Kleinwagen ist man bestrebt, durch leichte Rahmen-
und Karosseriegestaltung ein möglichst günstiges Leistung-Masse-Verhältnis (Motorleistung-Gesamtmasse
des fahrzeugs) zu erzielen.
Die Karosserie des Trabant stellt einen guten Kompromiss zwischen den Forderungen
bezüglich Leichtbau und Sicherheit dar. Die "selbsttragende" Karosserie besteht
aus dem Karosserieboden, dem Karosseriegerippe und der Plastikverkleidung.
Der profilierte Plattformrahmen ist mit den profilierten Blechteilen des Gerippes
verschweisst. Der Triebwerkblock ist auf einem an der Bodengruppe befestigten
Hilfsrahmen montiert. Eine zweckentsprechende Formgebung der Bleche des Bodens
und des Gerippes garantiert für die gesamte Karosserie eine hohe Festigkeit.
Die Beplankung des Gerippes besteht aus einem Duroplast, der seit 1955 verwendet
wird und sich ausgezeichnet bewährt hat. Die Einzelteile wie Dach, Kotflügel,
äussere Türhaut, Motorhaube und Kofferraumklappe sind an das gerippe montiert
und können im Bedarfsfall einzeln ausgewechselt werden.
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Die zugeschnittenen Vliese wurden manuell in die Pressen eingelegt und als fertige Teile herausgenommen. |
Duroplast-Herstellung
Die Plastteilfertigung entstand in einer neben dem Audi-Werk
gelgenen ehemaligen Textilfabrik.
Fünf Schichten von Baumwollfasern werden in einer Krempelmaschine jeweils zu
einem fellartigen Stoff, einem Vlies, verarbeitet. Jede Schicht wird in der
zweiten Station der Herstellung mit Phenolharzteilchen bestreut. Die Legeanlage,
die dritte Station, legt die verschiedenen Schichten übereinander. Anschliessend
wird das so entstandene Vormaterial (46 % Baumwollfasern, 52 % Phenolharz
und 2 % Trennmaterialien) unter einer Druckwalze durchgeführt und in Längs-
und Querrichtung in passende Stücke geschnitten. Die Vliesstrasse war bei der
Entwicklung und bei der Weiterentwicklung während schon laufender Produktion
der grosse Schritt zur Rationalisierung. im Werk existierten vier Vliesstrassen.
Der Pressvorgang wird eingeleitet durch das manuelle Einlegen des geschnittenen
Vormaterials. Das obere Gesenk der Oberdruckpressen besteht aus Hartgummi, das
untere aus Stahl. Beide werden mit 240 °C heissem Wasser (Dampf) beheizt.
Die Heizzeit beträgt 6 Minuten, zusammen mit der Abkühlung datiert der
Pressvorgang zehn Minuten und tolerierte je nach Größe der Preßteile um einige
Minuten. Temperatur und Druck (400 Tonnen) verbinden dabei Baumwolle und
Phenolharz zum gewünschten Material, das in seine endgültige Form gepresst wird.
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Zehn Aussenteile weist die Beplankung der Trabant-Limousine 601 auf: Kühlerattrappe, Vorderkotflügel, Motorhaube, Türen, Dach, Hinterkotflügel und Kofferraumklappe. |
Um Duroplastteile zu verbinden, fand man, nachdem
zunächst mechanische Halterungen benutzt worden waren, geeignete Klebstoffe
aus DDR-Produktion. Über die Vliesstrassen liefen im Jahr bis zu 5.000 Tonnen
Vormaterial, aus den Pressen kamen maximal 1,5 Millionen Kunststoff-Aussenhautteile.
Allerdings existierten anfangs nicht für alle Teile geeignete pressen. So hatte
z. B. der Kombi des P 60 ein Dach aus Stahl.
Die Frage der Wirtschaftlichkeit
Die lange Aufheiz- und Abkühlungsphase von zehn Minuten stellte einen gravierenden
Nachteil dar. Die Stückzahlen sind bei dieser Fertigungsmethode durch die Zeit
oder die Anzahl der Pressen begrenzt. Obwohl der "VEB Sachsenring" 71 Pressen
für die Karosseriebeplankung aufgestellt hatte, blieb die Aufheiz- und Abkühlungsphase
der Engpass in der Produktion.
Das Problem der Wirtschaftlichkeit gewann immer mehr an Bedeutung, als Stahl
grundsätzlich aus landeseigener Herstellung verfügbar gewesen wäre, die Umstellung
auf Tiefziehblech jedoch nicht erfolgte. Bis zu einer Stückzahl von 80.000 Fahrzeugen
im Jahr war die Duroplast-Produktion wirtschaftlicher als die Stahl-Produktion.
Aber bereits im Jahr 1969 hatte die Produktion des Trabant
die Marke von 80.000 Autos überschritten. Und hier hätte wohl die Produktion
von Duroplast auf Stahl umgestellt werden müssen. Am Ende seiner Ära wurden
im jahr ca. 150.000 Autos hergestellt. Wohl auf Grund der Bedeutung der Stückzahlen,
setzte sich Duroplast auf dem Weltmarkt nie durch.
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Eigenschaften
Duroplast hatte die erhofften
und gewünschten Eigenschaften. Ausführliche Testfahrten in extremen Klimagebieten
von Ägypten, China, am Mittelmeer sowie am nördlichen Polarkreis ergaben eine
sehr hohe Strapazierfähigkeit, die sich bis heute in der unbestrittenen Haltbarkeit
(auch bei sehr alten Exemplaren) des Trabant niederschlägt. Ausserdem ist Duroplast
geräuschdämmend und besitzt eine hohe Elastizität.
Duroplast korrodiert nicht. Bei der schlechten Ersatzteillage, blieb der Trabant
wenigstens an den äusseren Karosserieteilen von Rost verschont.
Die Fertigmasse aller Kunststoffteile ist sehr niedrig. So wiegen alle Teile
einer Limousine 601 nicht mehr als 32 kg und die eines Universal 32,4 kg.
Duroplast bietet die Möglichkeit zu weitgehender Selbstreparatur im Falle eines
Schadens. Kratzer und Schrammen an der Oberfläche werden
erst aufgerauht, mit speziellem Kleber zugeklebt und anschliessend die Stelle
mit Schleifpapier wieder glattgeschliffen. Selbst Risse und Sprünge (auch nach
dem Einfügen abgebrochener Stücke) lassen sich mit Klebstoff beheben, wobei
an der schadhaften Stelle von innen ein Stück Blech angebracht werden sollte.
Quellen:
Meissner, Wie helfe ich mir selbst!, VEB Verlag Technik,
1974
Matthias Röcke, "Die Trabi-Story", 1998
Heel Verlag GmbH
Prof. Dr.-Ing. F. Meißner, "Du und Dein
Trabant" das Informationsblatt für Trabantfahrer
Mitgliederzeitschrift des Internationalen Trabant-Registers "Inter Trab" e.V.
Ausgabe Nummer 32, Sommer 1997
Wie schaltet man einen Trabant ? *
Vor dem Schalten in den nächsthöheren Gang Fahrzeug beschleunigen,
Gas wegnehmen und gleichzeitig auskuppeln, Gang herausnehmen und Schalthebel
leicht in Richtung des nächsthöheren Ganges drücken.
Beim Auskuppeln ist das Kupplungspedal vollständig durchzutreten. Der Schalthebel
gleitet nach erfolgter Synchronisierung spielend in die Gangschaltung. Anschließend
ist wieder einzukuppeln.
Beim Herunterschalten ist kein Zwischengasgeben erforderlich. Hierbei sind jedoch
die Schaltbereiche zu beachten.
Der Rückwärtsgang darf nur bei stehenden Fahrzeug eingelegt werden.
Zur Sicherung gegen unbeabsichtigtes Einlegen des Rückwärtsganges
ist ein Sperre eingebaut; beim Hineinschieben der Schaltstange muß diese
erst durch einen stärkeren Handdruck überwunden werden.

*(Betriebsanleitung Trabant Seite 17)